wir haben einen pflegeheimplatz für meinen vater gefunden - ein einzelzimmer, ruhig und grün und dazu ganz in der nähe seines zuhauses gelegen. ein kleines wunder und positives resultat wochenlanger bemühungen.
mein vater ist von der idee natürlich weniger angetan bzw. hält das ganze schlichtweg für unnötig. er ist nach wie vor der ansicht, er könne laufen und treppen steigen, obwohl er nun bereits seit vier wochen im rollstuhl sitzt. in vielen, oft stundenlangen gesprächen erörtern wir dieselbe situation gemeinsam immer und immer wieder und drehen uns argumentativ im kreis. einsicht können wir nicht erzeugen, eher resignation. das stimmt uns nicht glücklich, aber ich vermute, so geht es vielen angehörigen.
zurück im wirtschaftsasyl steht eine hochzeit in der großen luxus-verwandtschaft an. einsamer denn je fühle ich mich unter all den fröhlichen menschen - und auch sehr andersartig. es ist nicht so, dass niemand mit mir reden würde, im gegenteil. aber ich empfinde mich nicht als teil dieser gesellschaft.
ich beobachte all die erwachsenen mit ihren ungezogenen kreischkindern, und das konzept familie erscheint mir fragwürdiger denn je. der luxus-sohn hat seine neue freundin, die er gerade mal vier monate kennt, geschwängert - und sie wollen das kind tatsächlich bekommen. die freundin ist 23, nicht unnett oder doof, aber sehr unsicher und naiv im gespräch. ich habe den eindruck, sie verlässt sich gänzlich auf den luxus-sohn, dass er alles für sie regeln wird, zumal sie auch keinen beruf hat. ein machtgefälle, das zum scheitern oder zu einer 50er-jahre-ehe verurteilt ist.
als wir wieder zuhause sind, schlägt der luxus-mann vor, dass wir ja auch heiraten könnten - unter der bedingung, dass ich seine kinder als erben einsetze, falls ich jetzt vielleicht doch das haus meiner eltern bekomme. ich bin unendlich verletzt über diesen vorschlag des lieblosen tauschhandels "ring gegen vermögen", zumal die luxus-kinder beide verwöhnt bis obenhin und durch ihren vater mehr als gut versorgt sind. entsprechend schroff lehne ich ab und betone auch noch einmal, dass ich ein zusammenleben jetzt und auch in zukunft für mich zu 100 % ausschließe.
in der tat ist die luxus-beziehung für mich derzeit nicht mehr als eine temporäre option, nicht alleine in hh herumsitzen zu müssen und die zeit an den wochenenden totzuschlagen. während der letzten wochen in n habe ich den luxus-mann nicht vermisst. unsere wenigen telefonate waren oberflächlich und kühl. der luxus-mann ist mir wenig hilfe, wenn ich unterstützung benötige. im gegenteil: kaum bin ich zurück, werde ich wieder herumkommandiert, dies und jenes mitzubringen, einzukaufen oder zu planen - obwohl er sehen müsste, wie überlastet ich bin. er fragt nicht ein einziges mal, wie es mir geht, vergisst sogar ein mehrfach angekündigtes, sehr wichtiges bewerbungsgespräch und ruft mich währenddessen mehrfach an, um mich dann anzukacken, weil ich nicht rangehe.
innerlich nehme ich abstand und abschied. ich habe mich in n beworben, zum ersten mal, und ich habe ein gespräch in einer kleinen süßen stadt an der ostsee, nicht weg entfernt vom objekt. ich habe fast zehn jahre wegen dem luxus-mann im verhassten hh ausgeharrt. ein opfer, das mir nun zu groß wurde. ab sofort will ich für mich entscheiden.
Ich fühle so mit Ihnen, bringen wir am nächsten Donnerstag doch meine demente Mutter auch in ein Seniorenheim. Auch sie will nicht und meint noch alles zu können. Dabei ist sie 94 Jahre alt, ausser der Demenz allerdings noch deutlich fitter als ihr Vater. Ihr Gedächtnis ist mittlerweile total im Eimer und sie erkennt mich auch nicht mehr als ihre Tochter, hat Halluzinationen und so weiter. Daher kann ich das sehr nachvollziehen wie es Ihnen geht. Demenz ist auch für die Angehörigen der Horror.
AntwortenLöschenUnd die Sache mit dem Luxusmann : Alles hat seine Zeit, vielleicht ist ihre gemeinsame Zeit einfach um. Gehen sie in Frieden dorthin wohin es sie trägt. Ich drücke die Daumen für die Jobsuche und wünsche Ihnen alles Glück der Welt, das haben Sie sich sowas von verdient.
94 ist ein stolzes alter. ich drücke die daumen, dass sie den donnerstag gut hinter sich bringen. mein vater ist erst 77, für ihn sind das im heim "alte leute". ;-)
Löschenwas die beziehung betrifft - ja, derzeit ist es nur ein nebeneinander ohne großes interesse am anderen. klar schau ich mir das noch ein weilchen an, aber vielleicht trägt mich mein geist jetzt woanders hin.