am vergangenen samstag ließ ich zipperlein und spießertum endlich wieder einmal hinter mir und stürzte mich zusammen mit zwei luxus-kumpels ins nachtleben. anlass war das konzert von psyche, auf das ich mich schon ein ganzes weilchen gefreut hatte.
am veranstaltungsort angekommen rannte ich erst mal meinem langjährigen stalker in die arme. der blieb jedoch ganz geschmeidig - vermutlich wegen der runzligen, rothaarigen vogelscheuche an seiner seite, die sämtliche andere frauen bissgurkig beäugte. darüber hinaus fühlte ich mich auch durch die anwesenheit der luxus-kumpels recht gut geschützt, denen der zuhause weilende mann befohlen hatte, jedem in die fresse zu hauen, der mir zu nahe kam.
als vorband spielten sea of sin, eine mir bis dato gänzlich unbekannte band. es war ein recht passionierter akt, allerdings stark beeinträchtigt durch die erkältungs- und aufregungsbedingten stimmprobleme des sängers. was an stimme fehlte, machte er durch klatsch-einsatz wett - und natürlich war gewünscht, dass das publikum hier frohgemut mit einstimmte.
solche begeisterungsbekundungsaufforderungen führen bei mir grundsätzlich zu sofortigem begeisterungsabfall und zu totaler beifallsverweigerung. wir waren ja schließlich nicht auf dem ballermann. also stand ich da, verkreuzt und verkrampft, und kämpfte mit hartnäckigen anfällen von gänsehaut, wenn die stimme mal wieder um eine terz entgleiste.
eine gute stunde später folgte dann der hauptact - und ich war sehr gespannt. ich hatte psyche zuletzt vor 18 jahren live erlebt. damals saß darrin zeitweise mit acoustic-gitarre auf einen barhocker und schuf eine heimelige unplugged-atmosphäre. zwischendurch erzählte er von seinen früheren erfahrungen in deutschland und den "german people", die gerne "sad" guckten und bevorzugt und passenderweise "blue" trugen.
diesmal gab es beats satt - und darrin tanzte und ruderte mit allem, was er hatte - auch winkearme, wie ich mit meinem langjährig durch die plastische chirurgie geschulten auge feststellte. er bewies zudem, dass die männliche stimme im fortgeschrittenen alter weder auf piepsig-heiseres blecheimer-format schrumpfen noch an ausdauer verlieren muss - wie man es sonst häufig von gewissen seniorigen organen kennt.
einzig nachteilig war die m.e. mangelhafte steuerung der höhen durch die tontechnik: im fortissimo kippte es bisweilen ins unangenehme. ich ahnte, dass mir der abend hartnäckigen tinnitus bis mindestens übermorgen bescheren würde.
am ende des konzerts hatten sich noch weitere luxus-freunde und -bekannte um uns geschert. man fragte mich mehrfach, wo denn der stubenhocker-mann abgeblieben sei und brachte ideen zur fortsetzung des noch jungen abends ein.
wir watschelten daraufhin noch in eine bar, aber allzu lange ging es dann nicht mehr. wenige biere und shots später trennten wir uns - die alten knochen machen langes stehen für die meisten von uns leider zur qual. (ja, da waren sie wieder, die zipperlein!)
ich beschloss, noch einen mp3-begleiteten spaziergang durch die nacht zu unternehmen und schlug erst wieder gegen zwei uhr morgens in luxus-hausen auf. der mann hatte zwischenzeitlich "alien romulus" geschaut, den er so unterirdisch fand, dass der plot subito seiner ausgeprägten demenz anheimgefallen war.
so setzten wir uns noch ein weilchen auf die couch, nahmen einen letzten drink, legten platten auf und redeten, bis wir uns final bettreif fühlten.
am sonntagabend hatte ich erstmals seit langem wieder das gefühl, ein "richtiges" wochenende gehabt zu haben. das führte sogar dazu, dass ich recht gut gelaunt in den montag startete.
wohl dosiert sollte man ausgehgewohnheiten also durchaus auch im alter beibehalten - und sich nicht komplett der spießigkeit und langeweile hingeben.