Sonntag, 13. August 2017

sweet harmony

nachdem der luxus-mann aus dem patchwork-familien-urlaub zurückgekehrt ist, sind wir inniger denn je..

unfassbar für mich. ein jahr und viereinhalb monate und wir sind wie siamesische zwillinge.
ein teil voneinander, quasi.

"ich kann mich gar nicht erinnern, dass das jemals so gut war mit jemand anderes", sage ich zum luxus-mann.
"vielleicht, weil man sonst auch anders rangegangen ist."
"was meinst du?"
"naja... sonst hat man sich ja kennengelernt, weil man sich verliebt hatte. also so die ganze kiste mit der rosa brille. die versaut es einem ja meist, weil nach ein paar monaten so die realität durchkommt.
"und du meinst, wir hatten erst ganz viel realität und dann kam erst rosarot?"
"so ähnlich."

wie auch immer. wir genießen unser rosarot.


Freitag, 11. August 2017

mr. fettfleck oder warum ich bewerbungsgespräche nicht mehr ernst nehmen kann

auf meine schriftlichen bewerbungen erhalte ich in der regel absagen oder noch öfter: gar keine antwort. nachdem mich das anfangs grämte und ich panisch meine unterlagen mehrfach von headhuntern checken ließ, weil ich den fehler auf meiner seite wähnte, fand ich heraus, dass sich auf die von mir anvisierten posten minimum 100 und maximum bis zu 500 leutchen bewerben, dass die unternehmen aber keine kapazitäten in der hr haben und deswegen nur die obersten 10 bewerbungen auf dem stapel überhaupt anschauen. hinzu kommen unternehmen, die ihre stellen längst intern per vetternwirtschaft vergeben haben und ausschreibungen nur pro forma machen, weil sie es sich nicht mit ihren öffentlichen trägern verscheißen dürfen.

daraufhin sparte ich mir klassische bewerbungen fast vollständig, es sei denn, ich habe einen guten tag, an dem ich die kreative irre raushängen lasse. ansonsten versuche ich es über beziehungen oder hoffe darauf, entdeckt zu werden, was ab und an auch passiert.

eine firma, die mich entdeckt hatte, lud mich zunächst zu einem unverbindlichen kennenlern-telefonat ein. gute idee, fand ich, hatte ich doch keinen bock, nach gütersloh zu reisen, dann wieder mal auf den reisekosten sitzen zu bleiben  und anschließend eine monatelange schlacht mit dem arschlochamt um deren erstattung zu schlagen.

das telefonat war nett und man versprach, sich wieder bei mir zu melden. das passierte nur zwei tage später und man schlug mir ein weiteres telefonat vor, das aber nun jemand anders führen würde.
gesagt, getan.

telefonat zwei war ähnlich angenehm wie telefonat eins, der firma schien klar zu sein, dass es kaum alternative humane ressourcen mit meinen derart ausgefeilten fähigkeiten gab und erklärte sich sogar theoretisch bereit, mir ein recht anständiges gehalt zu zahlen.

nach einer woche erhielt ich einen anruf und die zusage zu einem weiteren telefonat, das nun mit meinen direkten mitarbeitern vor ort in hamburg geführt werden sollte. wieder dauerte das gespräch über eine stunde, gestaltete sich aber recht nett, auch wenn ich es langsam über hatte, immer wieder neuen menschen meine exquisiten fähigkeiten zu schildern und eifrig die werbetrommel für mich zu rühren.

nach drei telefonterminen schließlich wagte das unternehmen, mich auf meine potenziellen künftigen kollegen loszulassen und arrangierte ein persönliches vorstellungsgespräch für mich. in der email mit dem termin fand ich den hinweis, ich möge mich bei ankunft unter der angegebenen handy-nummer kurz melden, da das büro neu, noch nicht ausgeschildert und daher sehr schwierig zu finden sei - und mich daher jemand abholen würde.

10 minuten vor dem anberaumten gespräch rief ich die genannte nummer an. niemand ging ran. ich sprach auf mailbox, dass ich mich in etwa fünf minuten an der genannten adresse einfinden würde und mich freue, wenn mich dort jemand abholte.

5 minuten vor dem gespräch stand ich dann wie bestellt und nicht abgholt im wahrsten wortsinne vor dem riesigen kontorhaus. niemand war gekommen, um mich über die acht stockwerke voller großraumbüros und kreativ-zellen zu meinem arbeitgeber in spe zu führen. also rief ich erneut die nummer an, die ich anrufen sollte. nun war das handy ausgeschaltet.

die letzte minute tickte. was sollte ich tun? zum glück hatte ich noch die nummer aus gütersloh von meinen ersten beiden gesprächen. die rief ich an. eine mir unbekannte mitarbeiterin ging ran, machte dann aber freundlicherweise meine ehemalige hr-tante ausfindig.
"sie wurden nicht abgeholt?" fragte sie mich kühl.
"nein. und ich habe schon zweimal bei herrn b. angerufen, der hat sein handy aus."
"warum sind sie dann nicht schon einfach hochgegangen?"
"weil ich hier vor einem gebäude mit ungefähr 100 büros stehe und der name des unternehmens nicht ausgeschildert ist. außerdem sollte ich abgeholt werden, steht in der e-mail. wenn ich jetzt einfach losrenne, steht herr b. vielleicht in kürze hier unten auf der straße und denkt, ich sei gar nicht erschienen."
die dame erklärte sich daraufhin gnädigerweise bereit, in dem büro anzurufen.

fünf minuten später tauchte eine junge frau auf, die mich - offenbar durch das foto in meiner bewerbung - richtig als frau morphine identifizierte. sie führte mich durch das büro-labyrinth und stellte mich dann in einem etwa 10 qm großen büro ab, in das schreibtische von sieben mitarbeitern gequetscht waren. die luft war zum schneiden.

ein moppeliger kleiner mann mit einem fettfleckigen t-shirt rollte auf mich zu und gab mir die hand. unter seinen fingernägeln waren dicke schwarze ränder. zu meinem entsetzen war dies herr b., mein potenzieller künftiger chef.

"sorry, wenn ich ein bisschen spät bin, ich hatte sie wie gebeten mehrfach angerufen und ihnen auch auf mailbox gesprochen, sie hatten leider das handy aus. eine dame aus ihrer niederlassung in gütersloh musste erst ihre kollegin benachrichtigen, dass ich schon längere zeit warte."
"kann ja mal sein, dass man in einem meeting ist", sagte der kleine fette unfreundlich.

dann saß ich an einem tisch, mit dem ungepflegten herrn b., der jungen frau und einer älteren vertriebsmitarbeiterin. letztere nahm mich zusammen mit herrn b. in ein kreuzverhör, bei dem ich zwar blut und wasser schwitzte, mich aber letztlich als fachlich kompetent beweisen konnte, obwohl mich inzwischen zweifel beschlichen, ob ich wirklich unter dem widerlichen fettsack arbeiten wollte. die beiden frauen waren aber ganz nett, und einen ekel im team gibt es ja immer, sagte ich mir.

nach rund einer stunde schaltete sich noch ein weiterer mitarbeiter per videokonferenz hinzu, um mich in erneutes kreuzverhör zu verstricken. der mitarbeiter saß offenbar im homeoffice, im hintergrund war ein bild mit zwei gören, vermutlich seine kinder. vielleicht ist das ja doch ein cooles unternehmen, dachte ich, da ist einer papi und darf homeoffice machen und auf seine kids aufpassen.
"schön, wenn man bei ihnen bei bedarf auch mal homeoffice machen darf", sagte ich am ende des kreuzverhörs also wohlwollend. "nicht jedes unternehmen bietet so eine familienfreundliche arbeitsatmosphäre."
"naja, ich habe eigentlich urlaub", sagte der mitarbeiter dann. "aber ich musste an dem gespräch teilnehmen und konnte wegen der kinder nicht weg."
ups.

nach anderthalb mäßig gemütlichen stunden und atemnot, weil vier menschen zweieinhalb kubikmeter luft atmen mussten, war ich fertig. die junge frau brachte mich nach draußen.
"ach, michaela, herzlichen glückwunsch", rief jemand auf der treppe der jungen frau zu.
"oh, sie hatten geburtstag", fragte ich sie überrascht.
"ja, heute."
"dann auch von mir herzlichen glückwunsch", sagte ich warmherzig.
"oh, vielen dank... ich hoffe ja, dass ich jetzt endlich nachhause kann", sagte die frau.
"wieso, darf man bei ihnen am geburtstag früher gehen?"
"nein, aber ich habe auch urlaub und musste heute reinkommen."

an diesem punkt war der job für mich gestorben. ein ungepflegtes, unzuverlässiges und herablassendes ekel von chef hätte ich gerade noch verkraftet. aber dass ein unternehmen es für normal befand, ein vorstellungsgespräch anzuberaumen und dafür zwei von vier mitarbeitern aus dem urlaub zurückzupfeifen, erschien mir willkürlich und ausbeuterisch.

dass mich der fette klops nicht einstellen wollte, war keine überraschung. normalerweise machte ich mir nie die mühe, über absagen nachzudenken oder sie zu beantworten. diesmal jedoch schrieb ich zurück, dass auch ich mir unter gar keinen umständen eine anstellung hätte vorstellen können und daher sehr frohgestimmt über die absage sei.

auf ein neues.
weiterhin daumen drücken, bitte.

Mittwoch, 9. August 2017

eier ab

nachdem ich die kupferkette los bin und wieder hormonell verhüte, habe ich stante pede zurück zu meinem alten frauenarzt in der innenstadt gewechselt. er ist russe und ich komme mit seiner nüchternen und engagierten art sehr gut klar.

heute nahm ich allen mut zusammen und fragte nach der möglichkeit der sterilisation.
"hm, für eine frau ist das natürlich..."
"ich weiß, dass ich eigentlich zu jung bin!" falle ich ihm ins wort.
"es ist ja ihr körper und ihre entscheidung", meint er dann überraschend mild.
"aber?"
"es ist ein laparoskopischer eingriff. in vollnarkose. sie müssen sich danach mindestens zwei wochen wirklich schonen."
"zwei wochen geht doch."
"es können bei dem eingriff umliegende organe sehr leicht verletzt werden."
"das habe ich gelesen."
"das kann beispielsweise zu inkontinenz führen."
"das weiß ich, das ist aber auch das einzige, wovor ich angst habe."
"und es ist teuer."
"wie teuer?"
der arzt nennt eine summe. ich hätte mit mehr gerechnet.
"das ist finanzierbar. ich habe gespart."

der arzt lehnt sich in seinem weichen sessel zurück und schaut mich nachdenklich an.
"warum sie? warum nicht ihr partner?"
"sie meinen, warum er sich nicht vasektomieren lässt?"
"genau. das ist so einfach und risikoarm und sogar billig im vergleich."
"er fürchtet um seine männlichkeit und dass er dann keinen mehr hochkriegt."
"aber es ist keine op. der samenleiter wird über den hoden durchtrennt. kein eingriff, keine narben, keine schmerzen, kaum risiken. in den usa ist das eine standard-verhütungsmethode."
"er wehrt sich mit händen und füßen."

der doc seufzt.
"reden sie doch noch mal mit ihm. wenn sie zusammen zu einem urologen gehen, nimmt ihm das bestimmt die angst."
"seine angst ist nicht rational. er glaubt auch, dass spinnen von außerirdischen auf der erde ausgesetzt wurden, um die menschheit zu vernichten", kichere ich.
der doc grinst kurz, wird aber dann gleich wieder ernst:
"aber es muss ihm doch klar sein, was für einer gefahr er sie aussetzt."
"das ist ihm wurscht."
der doc zieht die augenbrauen hoch.
"also ich meinte nicht wurscht im sinne von: die alte kann ruhig draufgehen, sondern eher so, dass er sich damit überhaupt nicht befassen will. alles was mit krankheit und arzt zu tun hat, bereitet ihm übermäßige angst, habe ich den eindruck."
der doc schaut bedeutungsvoll drein.
"ich hatte schon immer eine vorliebe für männer mit neigung zu hypochondertum und panik", sage ich entschuldigend.

"also gut", sagt der doc und holt dann einen gelben überweisungsschein. "ich habe einen kompetenten kollgen in einem hamburger krankenhaus, der kann sie zum thema sterilisation sehr gut beraten. und dann reden sie bitte noch mal mit ihrem partner. vielleicht ist ihm nicht bewusst, dass eine sterilisation ein großer eingriff in den organismus ist."

als ich draußen bin, fühle ich mich maßlos erleichtert. selbst wenn der luxus-mann wahrscheinlich nicht mitziehen wird, scheint hilfe für mich doch in greifbarer nähe.


Freitag, 28. Juli 2017

traumgewaber

wie immer, wenn ich die realität nicht aushalte, kommen die träume. so wunderbar, dass man nicht aufwachen möchte.

letzte nacht war ich am strand in estland, den wir irgendwie eine ganze woche lang übersehen hatten. vor krassen felsformationen erstreckte sich der weißeste, weichste sand, den man sich vorstellen kann, und ein blitzblaues meer. der luxus-mann konnte sich zwar nicht recht dran freuen, weil die börse gerade in den crash ging und meine eine war auf der ständigen suche nach einem klo, das sich mir dann in einer form einer dusche zeigte, denn die esten, erklärte mir eine dame, pinkelten ausschließlich unter der dusche, wie sie mir gleich anschaulich vormachte. sonst aber war es wunderbar.

ich wachte auf, weil mir der luxus-mann ins gesicht schlug.
"aua!" sagte ich.
"deine handy klingelt!" rief er unwirsch. "mach das aus!"
ich lauschte kurz.
"das ist nicht mein handy", sagte ich.
es war das luxus-handy, das aus irgendwelchen gründen um vier uhr nachts den wecker programmiert hatte.

aufgrund des herpes beschränkt sich unser körperkontakt derzeit auf derlei liebevolle aktionen. der luxus-mann hält mich für gemeinhin verseucht.

"du hast mir meinen traum kaputt gemacht", maulte ich.
zur strafe träumte ich dann von einem splitterfasernackten george clooney, der ein pupsendes schwein und einen kleinen elefanten in seinem hotelzimmer hielt. das schwein war trotz seiner verdauungsprobleme ausgesprochen liebenswert und schleckte den kleinen elefanten ständig mit großer hingabe ab. george clooney gab derweil nonchalant in eine seidendecke geschlungen ein interview.



Dienstag, 25. Juli 2017

der job ist ein arschloch

im job stress, der mir nah geht. emotionale, unstrategische und unlogische gf-entscheidungen. ich muss sie ausführen. so viel fremdschämen geht gar nicht.

wie immer will ich weg, muss aber bleiben. jobs fallen nicht vom himmel, auch wenn ich gern hier endlich die segel streichen würde. außerdem muss man aushalten und sich brav selbst ausbeuten, sagen die erfolgreichen anzugwichtel. die müssen es ja wissen.

ich kriege pickel davon, sage ich zum luxus-mann, und tatsächlich habe ich heute herpes. der körper zeigt mir sehr genau, was tragbar ist und was nicht. fickt also die anzugwichtel.

ich spreche mit einer headhunterin, die mir sagt, wie unterbezahlt ich bin. sie soll mir lieber einen job besorgen anstatt mich vollzulullen mit dingen, die mir klar sind, die sich aber nicht ändern werden. nicht in diesem unternehmen, bei dem sich entwicklungschancen nur auf verantwortung und aufgaben beziehen, nicht aber auf entlohnung und ausgleich.

zwei tage nach dem urlaub fühle ich mich, als hätte ich nie urlaub gehabt.
nachts kann ich nicht schlafen, routieren mir doch schier unbewältigbare to-do-massen im kopf.
der herpes blüht und warnt.

der job ist ein arschloch.