Sonntag, 5. Juli 2020

momente der langeweile

"was machen wir denn morgen?"
so lautet die übliche luxus-frage, die ich derzeit nicht beantworten kann und will. denn wir machen gerade nichts aufregendes. zumal der luxus-mann für unternehmungen auch nur selten mehr als einen kleinen fußweg auf sich zu nehmen bereit ist.

ich wiederum weigere mich inzwischen angestrengt, sonntäglich in der schanze herumzutapsen. die sonntagsmenschen widern mich an, windowshopping ödet mich an, und das lahmarschige getrotte schürt aggressionen in mir, die ich immer schwerer unterdrücken kann. regelrechte tötungsfantasien drängen sich mir dabei auf.

alleinsein genieße ich stattdessen über die maßen. 12 stunden schlafen und danach noch zwei oder drei stunden lesend im bett lümmeln ist wie weihnachten für mich. tiefe zufriedenheit empfinde ich in diesen momenten. den tag vertrödeln, nennt der luxus-mann das, der selber gut und gerne mal fünf oder sechs stunden spielend am pc verbringen kann. aber ich liebe es. ich langweile mich dabei keine sekunde.

anders als derzeit bei manchen gemeinsamen unternehmungen. ich ertappe mich dabei, wie ich bisweilen rechne, wann ich nachhause fahren kann und mit welcher begründung ich das dann tue. denn langeweile erfüllt mich grundsätzlich mit einer merkwürdigen unruhe, die sehr schwer zu ertragen ist. denn auch wenn ich zuhause nichts sehr viel spannenderes tue, fühle ich mich dort beim nichtstun wenigstens nicht bekrittelt und unter druck gesetzt.

langeweile in der partnerschaft kommt für mich zusätzlich mit sorge daher: wars das jetzt? kommt jetzt nach über vier jahren der punkt der trennung, weil die vorgeschriebene evolution in form von zusammenziehen, heiraten, kinderkriegen etc. nicht stattfinden wird? oder ist dieses evolutions- und entwicklungspsychologische liebesgequatsche einfach nur der humbug gesellschaftskonformer hirnstocherer?

der prozess der langeweile ist ein kreativer, hat mein luschiger ex-psychotherapeut gerne neunmalschlau gesagt. solche sprüche standen auch in den religionspädagogischen schwarten, die ich mir aus examensgründen einverleiben und wieder auskotzen musste.
ich bin jedenfalls gespannt, wie ich mir die frage "und was mache ich morgen" beantworten werde. und ob "ich" dabei noch ins "wir" passt oder nicht.



Kommentare:

  1. "alleinsein genieße ich stattdessen über die maßen"
    Dann tun Sie das doch!

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  2. Ja, genau. Warum sind sie nicht soviel allein, wie sie möchten? Angst, dass er sich dann abwendet? Solche Bedürfnisse kann doch eine okaye Partnerschaft tolerieren.

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    1. ich bin genau so viel allein wie ich will. ich stelle ja nur fest, dass mein bedürfnis danach recht hoch ist. dass es mich sogar mitten in der zweisamkeit überkommt und dass ich dann die pferde sattle.

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  3. Ich finde, jeder braucht etwas, was er alleine machen kann und auch sollte. Bei meinem Partner ist es Pen and Paper und bei mir modellieren und Aquarellmalen. Sonst mutiert die Partnerschaft zu einem eckelhaften "wir". "Wir kommen gerne." "Wir müssen noch Wäsche waschen.", etc. Vielleicht gibt es ja Überschneidungen in Dingen, die ihr zusammen neu ausprobieren könnt.

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    1. boah, nichts schlimmer als leute, die immer von "wir" reden. das hasse ich wie die pest. wenn man schon gar nicht mehr "ich" sagt.
      ich habe eine freundin, die, wenn ich frage, hast du da und dann zeit, sagt: ja, da haben wir zeit oder nein, da sind wir da und dort. ich will mich ja gar nicht mit ihrem typen treffen, sondern ganz alleine mit ihr. ;-)

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  4. Bei mir ein Problem, der Begriff Freiräume. Das hört sich schon so begrenzt an. Kann man nicht einfach nur frei sein (und trotzdem Einer von Zweien)? Er darf beispielsweise Musik machen, dafür darf ich irgendwas anderes? Wieso sollte ich meinem Partner irgendwas "erlauben", er kann machen was er will, wann er will mit wem er will. Konsens bei uns allerdings, keine offene Beziehung. ;) Wir besprechen unsere Bedürfnisse, Dinge für die man Zeit aufwenden möchte oder manchmal muss und dann ebenfalls, was davon uns gemeinsam mehr Spaß macht. Aber mal schauen, was in zwei Jahren (magische Vierjahres-Grenze?) ;) noch davon übrig ist..
    Liebe Grüße

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    1. die magische grenze haben wir im april überschritten. ;-) wobei es beim luxus-mann eine fünf-jahres-grenze ist. nach dieser zeit hat er sich bislang immer spätestens aus (funktionierenden) beziehungen (ohne kindern) verabschiedet. insofern ist er sehr gespannt, während ich gar nichts zu diesem thema beitragen kann, denn mein rekord lag bei drei jahren (wobei das auch mit viel on und off war, sodass es eigentlich eher künstlich verlängerte quälerei als echte liebe war).

      corona hat natürlich auch ihr quäntchen zur langeweile beigetragen. wir sehnen uns schon sehr danach, mal wieder "action" zu haben, d.h. auszugehen und freunde zu treffen.

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  6. denn auch wenn ich zuhause nichts sehr viel spannenderes tue, fühle ich mich dort beim nichtstun wenigstens nicht bekrittelt und unter druck gesetzt.

    ... i feel you ...

    kommt jetzt nach über vier jahren der punkt der trennung, weil die vorgeschriebene evolution in form von zusammenziehen, heiraten, kinderkriegen etc. nicht stattfinden wird?

    die "vorgeschriebene evolution" hilft da so ungefaehr gar nichts. oder sagen wir so: zumindest bei mir haben weder zusammenziehen, noch kind, noch heiraten jemals irgendwas besser gemacht... da warst Du immerhin schlauer, das alles einfach bleiben zu lassen ^^
    (wobei, das kind moechte ich echt nicht missen ;) )

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